Zitat:Original von Ascanius Divus
Ja, die Beobachtung habe ich ebenfalls gemacht: Durch verstärkte Beschäftigung mit dem Lateinischen fallen einem komplexere Satzstrukturen im Deutschen leichter.
Trotzdem wird man beim lateinüben in erster Linie in Latein besser und beim Deutschüben in erster Linie in Deutsch. Es gibt so viele Bildungszweige, die alle wichtig und sinnvoll wären, aber von keinem Menschen zugleich bewältigt werden können. Vor 150 Jahren konnte man Physiker, Philosoph und Biologe zugleich sein. Das publizierte Wissen eines Fachbereichs konnte man in einem Jahr komplett durchlesen. Heute gelingt das nicht mal mehr in 7 Tagen und kann man nicht mal mehr eine einzige Wissenschaft komplett abdecken. Da das hinzukommende Wissen früher so begrenzt war, hatten alle genug Zeit, Latein ausgiebig zu lernen, was wieder dazu führte, daß jeder höhere Schulabgänger Latein sprach. Also war Latein ein Zeichne von Bildung. Heute ist Latein nur noch ein Zeichen dafür, daß man Latein kann. Das kann man sich in der Volkshochscule aneignen, ohne großartig gebildet zu sein. Bildung hat sich differenziert, es gibt nicht mehr "die" Bildung, sondern Bildungsbereiche. Ich kenne Leute, die kriegen keinen ordentlichen Satz in einer einzigen Fremdsprache hin, berechnen aber Brückenstatiken und programmieren Roboter. Jemand, der ohne Abschluß Spanisch, Englisch, Italienisch, Französisch kann, ist mit Sicherheit sprachgebildeter als ein Englisch-Latein-Einser-Schüler. Latein als Denkschule halte ich auch für Überschätzt. Als ich mal mit Latein angefangen hatte, stellte ich keine Verbesserung meiner Fähigkeit fest, Zeitungsknobelaufgaben zu lösen.
Zitat:Original von Christoph Linth
Ich hatte lediglich etwas dagegen, dass Du eine derart niveauvolle Freizeitbeschäftigung als "schwul" bezeichnest, was nämlich vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen ist.
Ist "schwul" denn immer noch ein Schimpfwort?